
Nachdem wir im November bereits unsere französischen Austauschpartnerinnen und -partner in Lüdinghausen begrüßen durften, war die Vorfreude auf den Gegenbesuch groß: Vom 23. bis 27. März 2026 reisten 17 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 im Rahmen von Erasmus+ nach Troyes, um die Partnerschaft mit dem Lycée Saint Joseph La Salle weiterzuleben und zu vertiefen. Inhaltlich stand die Begegnungswoche unter dem Leitgedanken, Europa in Geschichte, Kultur und Gegenwart zu erfahren. Dabei spielten vor allem die Themen deutsch-französische Geschichte und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle.
Die lange Busfahrt war uns bei der Ankunft zwar deutlich anzumerken, doch die Freude auf das Wiedersehen überwog. Kurz vor Troyes wurde noch eine letzte Pause genutzt, um die gemütlichen Jogginghosen der Fahrt gegen etwas passendere Kleidung zu tauschen, bevor es dann endlich ernst wurde. In der Schule angekommen, wurden wir sehr herzlich empfangen: Unsere französischen Partnerinnen und Partner hatten ein kleines Buffet und Spiele vorbereitet, sodass trotz aller Müdigkeit schnell eine offene, fröhliche und vertraute Stimmung entstand.
Schon am ersten gemeinsamen Tag lernten wir Troyes näher kennen. Nach ersten Einblicken in den Schulalltag stand eine Stadtführung auf dem Programm, bei der wir die Stadt aus historischer Perspektive entdecken konnten. Anschließend besuchten wir das Maison Rachi. Dieser Programmpunkt zeigte uns, wie vielfältig die Geschichte der Region Grand Est ist: Troyes ist nicht nur eine Stadt deutsch-französischer Begegnung, sondern auch ein Ort mit einer langen kulturellen und religiösen Tradition. Der Besuch des Maison Rachi eröffnete uns deshalb einen weiteren wichtigen Zugang zur europäischen Geschichte und machte deutlich, wie eng Bildung, Erinnerung und kulturelles Erbe miteinander verbunden sind.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Fahrt lag auf dem Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung. Dies wurde vor allem beim Besuch des ANDRA-Zentrums deutlich. Dort setzten wir uns mit dem Umgang mit radioaktiven Abfällen auseinander und erhielten Einblicke in die Fragen, die sich aus ihrer sicheren Lagerung ergeben. Gerade an diesem Ort wurde spürbar, dass Nachhaltigkeit nicht nur im Alltag, sondern auch in großen technischen und politischen Zusammenhängen eine Rolle spielt. Für uns war es eindrucksvoll zu sehen, wie sehr dabei langfristiges Denken, wissenschaftliche Arbeit und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehören. Der Besuch machte deutlich, dass Entscheidungen von heute immer auch mit Blick auf kommende Generationen getroffen werden müssen.

Ebenso prägend war der zweite große thematische Schwerpunkt des Austauschs: die deutsch-französische Geschichte. Bei der Fahrt zum Gedenkort Charles de Gaulle und besonders bei unserem Besuch in Reims wurde greifbar, wie eng die Geschichte beider Länder miteinander verbunden ist. In Reims begegneten wir nicht nur einem bedeutenden Ort europäischer Geschichte, sondern auch einem Symbol der Versöhnung. Gerade dort wurde deutlich, welchen Weg Deutschland und Frankreich gegangen sind: von Zeiten schwerer Konflikte hin zu Freundschaft, Zusammenarbeit und gemeinsamer Verantwortung in Europa.
Ein besonderer Moment war dabei das Foto vor der Kathedrale von Reims, bei dem der historische Handschlag von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer nachgestellt wurde. Dieses Bild war weit mehr als nur eine originelle Idee: Es brachte auf anschauliche Weise zum Ausdruck, wofür der Austausch steht. Wo früher Gegnerschaft und Krieg Europa geprägt haben, sind heute Verständigung, Freundschaft und Zusammenarbeit möglich. An wurde diesem Ort sichtbar, dass Geschichte nicht nur vergangen ist, sondern bis in unsere Gegenwart hineinwirkt.
Auch die weiteren Programmpunkte fügten sich in dieses Gesamtbild ein. In Verzenay und im Fort de la Pompelle begegneten wir weiteren Aspekten der Geschichte und Kultur der Region Grand Est. Daneben bot der Austausch natürlich auch viele Gelegenheiten, die eigenen Französischkenntnisse anzuwenden, den Alltag unserer Gastgeberinnen und Gastgeber kennenzulernen und Europa nicht nur im Unterricht, sondern ganz konkret vor Ort zu erleben. Unterrichtsbesuche, gemeinsame Fahrten und Gespräche machten die Woche zu einer Erfahrung, die weit über den normalen Schulalltag hinausging. Gastfamilien und Internat gehörten ebenfalls dazu und ließen den Austausch auch im Alltag lebendig werden.
Ein schöner Schlusspunkt war der gemeinsame Abschlussabend mit „Troyes Prison Island“. Die Stimmung war fröhlich und locker, und zugleich war bei den Spielen auch echter Teamgeist gefragt. Nach den vielen Eindrücken, Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen war dieser Abend ein gelungener Abschluss einer intensiven Woche. s
Am Ende dieser Tage stand nicht nur der Abschied von Troyes, sondern vor allem die Erkenntnis, wie wertvoll solche Begegnungen sind. Der Erasmus+-Austausch mit dem Lycée Saint Joseph La Salle hat uns gezeigt, dass Europa im persönlichen Miteinander lebendig wird — im Gespräch, in gemeinsamen Erfahrungen, in der Auseinandersetzung mit Geschichte und in der Verantwortung für die Zukunft.
Unser herzlicher Dank gilt dem Lycée Saint Joseph La Salle in Troyes sowie allen Gastgeberinnen und Gastgebern und allen Beteiligten, die diese bereichernde Erasmus+-Woche möglich gemacht haben. Der Austausch hat uns nicht nur viele neue Eindrücke vermittelt, sondern auch gezeigt, wie lebendig Europa durch persönliche Begegnungen werden kann.
